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Schlaf- und Beruhigungsmittel
» Prävalenz

Gebrauch in der Gesamtbevölkerung

Die CoRolAR-Erhebungen liefern Daten zum Gebrauch von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln während der letzten 12 Monate und der letzten 30 Tage. Für Personen mit einem Gebrauch während der letzten 30 Tage wird auch die Häufigkeit und Dauer des Gebrauchs dokumentiert. Somit ist es möglich, die Prävalenz des problematischen Gebrauchs solcher Medikamente (längerfristige tägliche Einnahme) zu schätzen. Ebenfalls erhoben wurde die Art des Erwerbs bei Personen, die einen Gebrauch während der letzten 12 Monate angegeben haben.

Prävalenz und Häufigkeit des Gebrauchs in der Gesamtpopulation

Die Daten für das Jahr 2016 zeigen, dass mit einem Anteil von 9.5% Frauen während der letzten 30 Tage vor der Befragung annähernd doppelt so häufig Schlaf- und/oder Beruhigungsmittel genommen haben als Männer (5.3%) (vgl. Tabelle CoRolAR - 30-Tageprävalenz, Häufigkeit und Dauer der Einnahme von Schlaf- und/oder Beruhigungsmitteln, nach Geschlecht und Alter (2016); siehe auch 12-Monatsprävalenz Tabelle). Die Angaben pro Altersgruppe zeigen, dass der Anteil der Personen, die während der 30 Tage vor der Befragung Schlaf- oder Beruhigungsmittel genommen haben, mit zunehmendem Alter ansteigt, von 1.8% bei den 15- bis 19-Jährigen auf 18.4% bei Personen ab 75 Jahren.

Französisch- und italienischsprachige Personen haben anteilmässig häufiger Schlaf- oder Beruhigungsmittel genommen als deutschsprachige Personen (Tabelle; siehe auch 12-Monatsprävalenz Tabelle).

CoRolAR - 30-Tageprävalenz, Häufigkeit und Dauer der Einnahme von Schlaf- und/oder Beruhigungsmitteln, nach Geschlecht und Alter (2016)

GeschlechtAlter
MännerFrauen15-19 20-24 25-34 35-44 45-54 55-64 65-74 75+ Total
%%% % % % % % % % %
30-Tageprävalenz5.39.51.82.44.04.67.88.611.618.47.4
n (gewichtet) 5'417 5'574 687 796 1'806 1'827 2'037 1'565 1'221 1'051 10'991
n (ungewichtet) 5'243 5'745 1'797 1'150 1'110 1'399 1'775 1'478 1'361 918 10'988
Häufigkeit Gebrauch
(Basis: Gebrauch in den
letzten 30 Tagen)
selten (1-3 Tage)21.925.737.456.223.025.122.425.026.819.924.4
einmal pro Woche (4-9 Tage)20.318.69.57.924.616.324.319.021.414.019.2
mehrmals pro Woche (10-19 Tage)14.410.12.47.418.115.113.99.18.910.511.6
täglich oder fast täglich (20+ Tage)43.545.650.728.634.443.539.546.942.955.544.8
n (gewichtet)28051612197382159133135182795
n (ungewichtet)22747530313954127120152149702
Dauer der täglichen Ein-
nahme (Basis: tägliche Einnahme)
> 3 Jahre56.260.2(18.5)(15.2)(14.9)(44.3)61.963.865.370.858.9
> 2 Jahre bis 3 Jahre11.111.3(0.0)(0.0)(9.2)(9.9)15.111.616.57.511.3
> 1 Jahr bis 2 Jahre17.411.9(13.0)(18.5)(5.4)(26.5)13.215.114.010.513.8
> 6 Monate bis 1 Jahr8.28.7(20.0)(9.6)(70.5)(7.0)3.10.01.36.08.6
> 3 Monate bis 6 Monate3.45.0(27.3)(20.8)(0.0)(5.6)2.44.62.95.24.5
< 3 Monate3.62.8(21.2)(35.9)(0.0)(6.7)4.34.90.00.03.1
n (gewichtet)119239652536635864101358
n (ungewichtet)1042221411122354557483326
Fragen:"Haben Sie in den letzten 30 Tagen Schlaf- oder Beruhigungsmittel genommen?", wenn ja "An wie vielen Tagen haben Sie in den letzten 30 Tagen Schlaf- oder Beruhigungsmittel genommen?", wenn (fast) jeden Tag "Wie lange nehmen Sie schon Schlaf- oder Beruhigungsmittel in diesem Ausmass?".
Anmerkungen:Prozente wurden gewichtet berechnet; Spaltenprozente.
Quelle:Gmel, Notari et al. (2018)

Problematische Einnahme von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln

Es ist anerkannt, dass eine langandauernde Einnahme dieser Substanzen im Allgemeinen eine Toleranz des Organismus bewirkt und so zum Auftreten einer durch Entzugssymptome (nach Aussetzen der Einnahme) charakterisierten körperlichen Abhängigkeit führt. Dementsprechend zeigen die Daten der CoRolAR-Befragung 2016, dass eine Mehrheit der Personen mit täglicher Einnahme die Schlaf- und/oder Beruhigungsmittel mehr als ein Jahr einnahmen (84.0%, vgl. Tabelle oben). Dieser Anteil war bei Männern und Frauen ähnlich hoch (84.7% resp. 83.4%).

Unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Schwelle (tägliche Einnahme ein Jahr oder länger), deuten die Ergebnisse in der Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren darauf hin, dass 2.0% der Männer und 3.6% der Frauen eine problematische Einnahme aufweisen (Abbildung). Hochgerechnet auf die Schweizerische Bevölkerung ab 15 Jahren entspricht dieser Anteil etwa 200'000 Personen (131'000 Frauen und 69'000 Männer).

Die Analysen pro Altersgruppe zeigen, dass der Anteil mit problematischer Einnahme mit dem Alter zunimmt. Die Sprachregionen betreffend kann festgestellt werden, dass der Anteil mit problematischer Einnahme in der italienisch- und französichsprachigen Schweiz (4.1% bzw. 3.3%) höher lag als in der deutschsprachigen Schweiz (2.4%; Tabelle).

Ärztliche Verschreibung

Die Mehrheit der Personen, die Schlaf- oder Beruhigungsmittel einnehmen, haben dafür eine ärztliche Verschreibung (siehe "Arzt" oder "Apotheke/Drogerie mit Rezept" in Tabelle und Tabelle), wobei der Anteil mit dem Alter zunimmt. Im Gegensatz dazu versorgen sich Jugendliche relativ häufig über Freundinnen oder Freunde, Angehörige und Verwandte mit Medikamenten (21.2% bei den 15- bis 19-Jährigen).

Das spezifische Modul der CoRolAR-Befragung zum Gebrauch von Benzodiazepinen (Januar - Juni 2014; Gmel et al., 2015) hat sich mit der Art der genommenen Schlaf- oder Beruhigungsmittel sowie der Selbstmedikation im Zusammenhang mit diesen Substanzen befasst. Unter den Personen mit einem solchen Gebrauch in den letzten 12 Monaten haben 40.2%angegeben, dass es sich um "ein Benzodiazepin oder ein den Benzodiazepinen ähnliches Medikament wie Stilnox (auch bekannt als Zolpidem)" handelte. Es ist aber aufgrund der Tatsache, dass nur zwei Produktnamen aufgeführt wurden, sehr wahrscheinlich, dass der reale Anteil über 40% liegen dürfte. Darüber hinaus haben 18.7% der Personen, die einen Gebrauch in den letzten 12 Monaten angegeben haben, diese Medikamente auf eigene Faust genommen (d.h. zu einem anderen Zweck als dem ursprünglich beabsichtigten). Diese Tendenz der Selbstmedikation fand sich häufiger bei den 35-bis 64-Jährigen (24.6%) als bei den jüngeren (8.4%) oder älteren (14.6%) Altersgruppen.

Gründe für den Gebrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln

Das spezifische Modul der CoRolAR-Befragung zum Gebrauch von Benzodiazepinen (Januar - Juni 2014; Gmel et al., 2015) hat sich mit den Gründen des Gebrauchs dieser Substanzen befasst. Der von 81.7% der Personen mit einem Gebrauch in den letzten 12 Monaten genannte Hauptgrund ist "Hilfe beim Einschlafen oder für andere Schlafprobleme". Weiter haben 58.2% als Grund angegeben "um sich zu beruhigen", 48.1% "um Anspannungen abzubauen" und 32.6% "wegen Angststörungen, zur Verringerung von Angstzuständen".

Soziodemographische Einflüsse

Bezüglich der Zusammenhänge individueller soziodemographischer Charakteristiken mit Schlaf- und Beruhigungsmittelgebrauch haben detaillierte Analysen der SGB-Daten von 2012 einen signifikanten Zusammenhang der Prävalenz des aktuellen Gebrauchs dieser Substanzen mit der Tatsache weiblich zu sein sowie mit dem Alter, dem Umstand getrennt zu leben oder keine Arbeit bzw. keine Arbeit mehr zu haben, ergeben (Thrul et al., 2014). Im Gegensatz dazu ist das Ausbildungsniveau mit dem Gebrauch dieser Substanzen invers verbunden (je höher das Ausbildungsniveau, desto niedriger die Prävalenz). Allerdings trifft dies für Frauen nicht zu. Ausserdem war ein Gebrauch dieser Substanzen in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz wahrscheinlicher als in der deutschsprachigen Schweiz.

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