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Risikokonsum: episodisch

Episodisch risikoreicher Konsum (sogenanntes Rauschtrinken oder "binge drinking") wird gemäss internationalen Richtlinien zumeist wie folgt definiert:

  • 5 oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit für Männer und
  • 4 oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit für Frauen.

Jedoch bestehen auch andere Definitionen risikoreichen Alkoholkonsums, so wurde der entsprechende Konsum im Rahmen der SGB bis 2002 mit 8 oder mehr alkoholischen Getränken für Männer und 6 oder mehr für Frauen definiert.

Gegenwärtige Situation

Gemäss den für das Jahr 2016 vorliegenden Daten der CoRolAR-Befragung unterschieden sich Männer und Frauen, auch wenn die Schwellenwerte für Rauschtrinken unterschiedlich sind, deutlich in den Anteilen Rauschtrinkender. Während 26.5% der Männer angaben, zumindest monatlich episodisch risikoreich zu trinken, waren es bei Frauen 14.9% (vgl. Tabelle CoRolAR - Häufigkeit des Rauschtrinkens, nach Geschlecht und Alter (2016)). Auch die drei Sprachregionen unterscheiden sich in den Anteilen monatlich Rauschtrinkender (Tabelle). Die höchsten Anteile finden sich in der Romandie (25.9%) gefolgt von den deutsch- und italienischsprachigen Regionen (19.3% resp. 13.9%).

Unabhängig vom Geschlecht sind die Anteile der monatlich Rauschtrinkenden in den jungen Altersgruppen am höchsten, sinken jedoch nach einem Alter von über 34 Jahren deutlich.

CoRolAR - Häufigkeit des Rauschtrinkens in den letzten 12 Monaten, nach Geschlecht und Alter (2016)

GeschlechtAlter
MännerFrauen15-1920-2425-3435-4445-5455-6465-7475+Total
%%%%%%%%%%%
zweimal pro Woche oder häufiger8.74.26.09.68.67.35.85.05.13.86.4
wöchentlich5.32.56.212.94.93.32.81.73.00.73.9
monatlich12.58.214.115.712.711.010.79.17.13.710.4
seltener29.526.129.033.538.433.229.923.016.511.127.8
nie33.241.719.617.621.731.538.349.256.960.437.5
abstinent10.817.325.110.713.713.712.512.011.420.314.1
n (gewichtet) 5'407 5'567 687 796 1'803 1'826 2'029 1'561 1'221 1'050 10'974
n (ungewichtet) 5'238 5'744 1'797 1'151 1'108 1'399 1'771 1'478 1'361 917 10'982
Fragen:"Haben Sie in Ihrem gesamten Leben insgesamt schon mindestens 1 ganzes Glas eines alkoholischen Getränkes getrunken, einzelne Probeschlückchen ausgeschlossen?" falls ja "Denken Sie jetzt einmal an das letzte Jahr, also an die letzten 12 Monate. Alles in allem, wie häufig haben Sie normalerweise alkoholische Getränke, also Bier, Wein, Likör/Aperitif oder gebrannte Wasser wie z.B. Schnäpse getrunken? Alles in allem, trinken Sie von diesen Getränken mehrmals am Tag oder wie häufig?" falls ja "An wie vielen Tagen konsumieren Sie normalerweise an den Wochenenden/unter der Woche Alkohol? (Wochenende: Freitag bis Sonntag)?" und "An den Tagen, an denen Sie am Wochenende/unter der Woche Alkohol trinken, wie viele Standardgetränke trinken Sie dann normalerweise an einem Tag, wo sie Alkohol trinken? Sind das 12 oder mehr, sind das 9 oder wie viele sind das?" und "Wie oft ist es im letzten Jahr vorgekommen, dass Sie während einer Gelegenheit 5 (für Männer)/4 (für Frauen) alkoholische Standardgetränke oder mehr getrunken haben?" zusätzlich wurde die Beantwortung der Frage "Was schätzen Sie, ist die höchste Anzahl Standardgetränke gewesen, die Sie jemals innerhalb von einem Tag während den letzten 12 Monaten getrunken haben?" herangezogen.
Anmerkungen:Spaltenprozente; Prozente wurden gewichtet berechnet; die Anzahl der tatsächlich befragten Personen wird mit 'n (ungewichtet)' angegeben.
Quelle:Gmel, Kuendig et al. (2017)

Tendenzen beim Rauschtrinken

Aktuell liegen nur für die Jahre 1997 bis 2007 Trendaussagen für einen Konsum von 8 Gläsern oder mehr für Männer und 6 Gläsern oder mehr für Frauen vor (Tabelle). Die Frage ist 2012 mit anderen Schwellen gestellt worden und ist somit nicht vergleichbar. 

Das Rauschtrinken war - sowohl bei Männern als auch bei Frauen - eher ein Phänomen der Jugend. Generell finden sich nur geringe Unterschiede über die verschiedenen Erhebungsjahre. Jedoch ist die Vergleichbarkeit der verschiedenen Befragungen aufgrund von Unterschieden in der Fragestellung bzw. Datenerhebung eingeschränkt.

Auch die drei Sprachregionen (Tabelle) der Schweiz wiesen keine markanten Unterschiede in der Altersverteilung des episodisch risikoreichen Konsums auf. Die jüngsten Befragten berichteten höhere Anteile an Rauschtrinkenden als alle übrigen Altersgruppen. Dies gilt für Männer und Frauen gleichermassen.

Im Rahmen der SGB-Befragung liegen nur für die Jahre 2007 und 2017 für die in der CoRolAR verwandten Schwellenwerte (von fünf oder mehr Gläsern alkoholischer Getränke bei Männern, vier oder mehr bei Frauen) vergleichbare Daten vor. 2007 berichteten 11.0% der Befragten ab 15 Jahren einen zumindest einmal monatlichen Konsum von fünf oder mehr Gläsern alkoholischer Getränken, d.h. sie tranken zumindest gelegentlich exzessiv. 2017 lag der Werte etwas höher (15.9%). Dabei lagen die Anteile der Frauen jeweils deutlich unter denen der Männer (2007: 11.1 bzw. 20.7; Tabelle). Die höchsten Konsumanteile finden sich in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen, mit zunehmendem Alter nehmen sie deutlich ab.

Im Rahmen der SGB-Befragung 2012 wurde der Alkoholkonsum bei Personen ab 15 Jahren detailliert nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen untersucht (Thrul, 2014). Dabei stand ein jüngeres Alter, männliches Geschlecht sowie die Tatsache ledig zu sein mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Rauschtrinken in Verbindung. Ein Migrationshintergrund ging insbesondere bei Männern mit einer verringerten Wahrscheinlichkeit für Rauschtrinken einher. Weitere Details können dem Bericht entnommen werden.

Rauschtrinken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Wie die HBSC-Befragung zeigt, sind bereits Jugendlichen durch episodisch risikoreichen Konsum (Rauschtrinken) betroffen. Der Anteil der 15-jährigen Jugendlichen, die in ihrem Leben bereits mindestens zweimal betrunken waren, hat von 1986 bis 2002 stark zugenommen, seither aber deutlich abgenommen. Allerdings verminderte sich der Anteil bei den Jungen dieses Alters zwischen 2014 und 2018 nicht mehr (vgl. Abbildung HBSC - Mindestens zweimalige Trunkenheit im bisherigen Leben, nach Alter und Geschlecht (1986-2018)).

Auch jüngere Jugendliche berichteten von Trunkenheitserfahrungen. So stieg der Anteil der 13-Jährigen mit mindestens zweimaliger Trunkenheit seit den 90er Jahren bis 2010 bei beiden Geschlechtern schrittweise an, um danach deutlich abzunehmen. Der Anteil 11-Jähriger mit mindestens zweimaliger Trunkenheitserfahrung fluktuierte über die einzelnen Erhebungen, es deutet sich aber tendenziell eher ein Rückgang an. Insgesamt wurde 2014 der tiefste Wert seit Beginn der Erhebungen 1986 erreicht. Allerdings sollte festgehalten werden, dass Rauschtrinken in dieser Frage nicht über die Anzahl der konsumierten Standardgläser erhoben wurde, sondern direkt nach Trunkenheitserfahrungen gefragt wurde. Wegen der Subjektivität der Daten sind die Angaben daher nur eingeschränkt interpretierbar.

Auch wenn der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit betrachtet wird, was als ein objektiveres Mass des episodisch risikoreichen Trinkens angesehen wird, kann bei den 15-Jährigen basierend auf der HBSC-Befragung zwischen 2010 und 2014 eine Abnahme der Anteile mit mindestens zweimaligem episodischem Risikokonsum währen der letzten 30 Tage vor der Befragung und zwischen 2014 und 2018 eine Stabilisierung der Anteile beobachtet werden (Abbildung).

Ein Rückgang war bereits im Rahmen der beiden ESPAD Befragungen, die 2003 und 2007 in der Schweiz durchgeführt wurden, feststellbar (Abbildung).

HBSC - Mindestens zweimalige Trunkenheit im bisherigen Leben, nach Alter und Geschlecht (1986-2018)

Quelle:Delgrande Jordan, Schneider et al. (2019)

Die Anteile des Rauchtrinkens sind bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhöht, gleichzeitig trinkt diese Altersgruppe mehrheitlich am Wochenende. Im Rahmen der CoRolAR-Befragungen 2011, 2013 und 2015 wurde dem Wochenendkonsum legaler und illegaler Substanzen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 29 Jahren ein spezifisches Modul gewidmet. Für das Jahr 2011 fand sich ein Anteil von 27.7% episodisch risikoreich Konsumierender während des letzten Ausgangs am Wochenende (Tabelle; Lucia et al., 2012). Dabei war der Anteil episodisch risikoreich Konsumierender bei Jungen bzw. jungen Männern höher als bei Mädchen bzw. jungen Frauen.

Ebenso wurde auch die mittlere Anzahl der im Wochenendausgang konsumierten Gläser Alkohol erhoben. Die Ergebnisse zeigen, dass die mittlere Anzahl getrunkener Gläser erheblich höher lag, wenn bereits vor dem Ausgang getrunken wurde (sogenanntes "predrinking"; Stadelmann et al., 2016). Dabei lag die berichtete Konsummenge in allen Altersgruppen deutlich über dem in der CoRolAR-Befragung verwandten Schwellenwerte von fünf oder mehr Gläsern alkoholischer Getränke (vier oder mehr bei Frauen). Dieses Ergebnis ist umso bedenklicher, als es sich bei den Angaben um Durchschnittswerte handelt, d.h., bei manchen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Menge deutlich über dem Schwellenwert lag.

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