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Gebrauch in der Gesamtbevölkerung

QuellenContinuous Rolling Survey on Addictive Behaviours and Related Risks (CoRolAR) (2011-2016) und Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) (1992, 1997, 2002, 2007, 2012) für die Schweizerische Gesamtbevölkerung; Cannabismonitoring (2004, 2007, 2010) für junge Erwachsene.

Die Definition von aktuellem Cannabisgebrauch variiert je nach Studie. In den CoRolAR-Befragungen 2011 bis 2016 wurde die mindestens einmalige Einnahme von Cannabis während der letzten 30 Tage oder während der letzten 12 Monate erfragt. Diese Angaben wurden ergänzt durch eine Frage bezüglich des mindestens einmaligen Gebrauchs von Cannabis im Leben. Die in anderen Studien verwandten Definitionen werden jeweils ausgewiesen.

Gegenwärtige Situation

Aktueller Cannabisgebrauch

Gemäss den Ergebnissen der CoRolAR-Befragung nahmen 2016 "aktuell", d.h. mindestens einmal während der letzten 30 Tage, 3.1% der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren Cannabis (vgl. Abbildung CoRolAR - 12-Monats- und 30-Tageprävalenz des Cannabisgebrauchs, nach Geschlecht, Alter und Sprachregion (2016)). Der Anteil lag bei Männern (4.6%) höher als bei Frauen (1.8%). Zudem war aktueller Cannabisgebrauch unter jüngeren Personen deutlich häufiger verbreitet als in höheren Altersgruppen. Beispielsweise gaben 9.4% der 15- bis 19-Jährigen an, aktuell Cannabis zu gebrauchen, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es 6.0% und bei den 45- bis 54-Jährigen noch 1.5%. Auch bezüglich der einzelnen Sprachregionen zeigen sich Unterschiede (Tabelle). Der aktuelle Gebrauch lag in der französisch- (3.6%) und der deutschsprachigen Schweiz (3.1%) etwas höher als in der italienischsprachigen Schweiz (1.9%).

CoRolAR - 12-Monats- und 30-Tageprävalenz des Cannabisgebrauchs, nach Geschlecht, Alter und Sprachregion (2016)

Anmerkungen:100% ergeben sich mit den Personen, die nie oder in den letzten 12 Monaten keinen Cannabis gebraucht haben.
Quelle:Gmel, Kuendig et al. (2017)

Bezüglich der Häufigkeit des Cannabisgebrauchs berichteten 1.3% aller Befragten einen Gebrauch von höchstens ein- bis dreimal in den letzten 30 Tagen (Tabelle). Rund 1.1% der Befragten nahmen Cannabis an 10 oder mehr Tagen (0.8% mit einem täglichen oder fast täglichen Gebrauch). Werden die Häufigkeiten nur bei denjenigen mit Cannabisgebrauch während der letzten 30 Tage betrachtet, so zeigt sich, dass mehr als ein Drittel Cannabis mehr als 10 Mal genommen hat (36.0%; Tabelle). Männer nahmen häufiger 10 Mal oder mehr Cannabis als Frauen (41.0% resp. 22.9%). Das heisst, dass der "gelegentliche" Gebrauch (d.h. an weniger als 10 Tagen) bei Frauen, die Cannabis gebrauchen, deutlich häufiger war als bei Männern (für Angaben zu den Sprachregionen vgl. Tabelle).

Angaben zum täglichen Gebrauch finden sich auch beim Cannabismonitoring. Es zeigt sich, dass innerhalb der Gruppe der aktuell, d.h. in den letzten sechs Monaten Cannabiskonsumierenden der Anteil der täglich oder fast täglich Gebrauchenden von 14.2% im Jahr 2004 auf 9.3% im Jahr 2007 signifikant abgenommen hat und 2010 bei 10.7% lag (Tabelle). Während sich bei den Frauen tendenziell ein Rückgang des (fast) täglichen Gebrauchs abzeichnet, sind die Ergebnisse bei den Männern weniger einheitlich, mit einer signifikanten Abnahme zwischen 2004 und 2007, und einer Erhöhung zwischen 2007 und 2010.

Cannabisgebrauch im vergangenen Jahr

Entsprechend den Ergebnissen der CoRolAR-Befragung 2016 berichteten 7.3% der Befragten einen Cannabisgebrauch im vergangenen Jahr. Männer (9.6%) gaben häufiger einen Gebrauch an als Frauen (5.1%). In jüngeren Altersgruppen war der Gebrauch in den vergangenen 12 Monaten stärker verbreitet. So gaben 20.8% der 15- bis 19-Jährigen an, während der letzten 12 Monate Cannabis gebraucht zu haben, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es 15.3% und bei den 45- bis 54-Jährigen noch 4.0%. Der Gebrauch in den 12 Monaten vor der Befragung lag in der deutschsprachigen Schweiz (7.4%) etwa gleich hoch wie in der französischsprachigen Schweiz (7.3%), der Anteil war mit 5.8% in der italienischsprachigen Schweiz tiefer.

Im Rahmen der SGB-Befragung 2012 wurde die 12-Monatsprävalenz des Cannabisgebrauchs bei Personen ab 15 Jahren detailliert nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen untersucht (Thrul, 2014). Bedeutsame Faktoren, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Cannabisgebrauch in den letzten 12 Monaten in Verbindung standen, waren jüngeres Alter, männliches Geschlecht und Erwerbstätigkeit. Auch in der französischsprachigen Schweiz im Gegensatz zur Deutschschweiz und mit zunehmender Gemeindegrösser lag der Anteil Personen mit Gebrauch höher. Die 12-Monatsprävalenz lag dagegen tiefer bei Personen mit kürzer zurückliegender Migration und bei Verheirateten.

Lebenszeitprävalenz

Die CoRolAR-Daten 2016 zeigen, dass in der Schweiz mehr als eine von drei Personen in der Vergangenheit mindestens einmal Cannabis genommen hat (33.8%; Abbildung). Bezüglich des Geschlechts, der Sprachregionen und des Alters können dieselben Tendenzen beobachtet werden wie bereits beim Gebrauch in den letzten 12 Monaten. So lag der mindestens einmalige Gebrauch im Leben bei Männern höher als bei Frauen (38.9% resp. 29.0%). Und beispielsweise gaben 29.5% der 15- bis 19-Jährigen und 55.9% der 25- bis 34-Jährigen an, Cannabis mindestens einmal genommen zu haben, jedoch nur 10.7% der 65- bis 74-Jährigen. Zudem lag die Lebenszeitprävalenz in der französisch- (33.5%) wie der deutschsprachigen Schweiz (34.2%) ähnlich hoch und etwas tiefer in der italienischsprachigen Schweiz (29.9%).

Der Anteil ehemals Gebrauchender in der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren, d.h. der Personen, die zwar in ihrem Leben, nicht aber in den letzten 12 Monaten Cannabis genommen haben, beläuft sich auf 26.5%.

Tendenzen beim Cannabisgebrauch

Die im Rahmen der CoRolAR-Befragung erhobenen Daten erlauben keine verlässlichen Trendaussagen, da die verfügbaren Daten auf die Jahre 2011 bis 2016 beschränkt sind. Auch sind Trendaussagen basierend auf den SGB-Daten nur begrenzt möglich, da im Jahr 2012 das Fragebogenformat erheblich geändert wurde und daher ausser für die Lebenszeitprävalenz keine Vergleiche zwischen 2012 und den davor liegenden Jahren möglich sind.

Tendenzen beim aktuellen Cannabisgebrauch

Da Cannabisgebrauch vor allem im Jugend- und jungen Erwachsenenalter von Bedeutung ist, legte das Cannabismonitoring ein spezielles Augenmerk auf die Altersgruppe der 13- bis 29-Jährigen. Es zeigte sich, dass der Anteil aktuell Cannabisgebrauchender, das heisst jener Personen, die in den sechs Monaten vor der jeweiligen Befragung mindestens einmal Cannabis genommen haben, zwischen 2004, 2007 und 2010 von 13.3% auf 11.1% und dann 10.4% leicht zurückgegangen ist. Dabei lag der Anteil der aktuell Cannabis gebrauchenden Männer (2004: 17.8%, 2007: 15.3%, 2010: 13.6%) in allen drei Erhebungen deutlich über den Anteilen der Frauen gleichen Alters (2004: 8.6%, 2007: 6.9%, 2010: 7.2%; Tabelle).

Der Anteil an Personen mit aktuellem Cannabisgebrauch war in der italienischen Schweiz in allen Erhebungsjahren (2004 & 2007: 9.0%, 2010: 8.8%) geringer als in der Deutschschweiz (2004: 12.4%; 2007: 10.3%, 2010: 10.0%) oder der französischsprachigen Schweiz (2004: 16.5%; 2007: 14.0%, 2010: 12.0%; Tabelle). Der beschriebene Rückgang des aktuellen Gebrauchs fand sich grösstenteils nur in den beiden letztgenannten Regionen.

Obwohl für die SGB 2012 keine Daten mehr zur Verfügung stehen, zeigen diejenigen für die Jahre 1997 bis 2007 in der Gesamtpopulation eine Stagnation in den Anteilen aktuell, d.h. "immer noch" Cannabisgebrauchender (1997: 3.4%, 2002: 3.7%, 2007: 3.4%; Tabelle; weitere Details bezüglich der Verteilung nach Geschlecht, Alter und Sprachregion für die Jahre 1997 bis 2007 können dem Bericht Notari et al. (2009) entnommen werden). Die im Rahmen der CoRolAR-Befragungen 2011 bis 2016 erhobenen Daten ergaben Anteile zwischen 2.6% und 3.2% für den aktuellen Gebrauch (30-Tageprävalenz). Der Vergleich zwischen den CoRolAR- und SGB-Befragungen ist jedoch nur eingeschränkt möglich, da sich die Befragungsmethoden unterscheiden können.

Tendenzen bei der Lebenszeitprävalenz

Die Daten der SGB zeigen zwischen 1997 und 2012 für die beiden jüngsten Altersgruppen (15- bis 19- und 20- bis 24-Jährige) eine Stagnation in den Lebenszeitprävalenzen für Cannabisgebrauch (vgl. Abbildung SGB - Lebenszeitprävalenz Cannabis bei 15- bis 24-Jährigen (1997-2012)). Es hat den Anschein, dass der Cannabisgebrauch bei den 15- bis 19-Jährigen sogar leicht rückläufig ist. Während bei den 15- bis 24-jährigen Männern und den 20- bis 24-jährigen Frauen die Situation bezüglich des mindestens einmaligen Cannabisgebrauchs im Leben relativ stabil zu sein scheint, zeichnet sich insbesondere bei den 15- bis 19-Jährigen Frauen eine leichte Abnahme ab (Abbildung).

Hingegen fand sich in den höheren Altersgruppen eine Zunahme in den Anteilen der Personen mit Cannabiserfahrung (Tabelle). Erklärbar ist dieser Befund mit der zeitlichen Verlagerung der Kohorten mit erhöhtem Cannabisgebrauch in höhere Altersklassen (die Altersgruppe der 2007 20- bis 24-Jährigen mit Cannabiserfahrung war in der folgenden Befragung 2012 zwischen 25 und 29 Jahre alt). Dieselben Tendenzen einer Zunahme über die Zeit zeigen sich auch bei beiden Geschlechtern und in den drei Sprachregionen (Tabelle).

SGB - Lebenszeitprävalenz Cannabis bei 15- bis 24-Jährigen (1997-2012)

Anmerkungen:Fragen: 2012: "Haben Sie schon einmal Cannabis (Haschisch/Marijuana) genommen?"; 1997-2007: "Haben Sie schon Haschisch/Marijuana genommen?"
Für alle Jahre sind Personen, welchen die Frage nicht gestellt wurde, unter "nie im Leben" aufgeführt.
Angaben von stellvertretenden Interviews (Proxys) wurden ausgeschlossen.
Prozente wurden gewichtet berechnet; die Anzahl der tatsächlich befragten Personen wird mit "n (ungewichtet)" angegeben.
Quelle:Notari, Le Mével et al. (2014), S. 239

Die im Rahmen der CoRolAR-Befragungen 2011 bis 2016 erhobenen Daten zur Lebenszeitprävalenz ergaben Anteile zwischen 27.9% und 34.1% bei den 15- bis 19-Jährigen und zwischen 46.4% und 54.5% bei den 20- bis 24-Jährigen.

Der Vergleich der drei Erhebungswellen des Cannabismonitorings (Annaheim et al., 2012) zeigt, dass bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Lebenszeitprävalenz des Cannabisgebrauchs in den letzten Jahren abgenommen hat. Während im Jahr 2004 46.1% in ihrem Leben mindestens einmal Cannabis genommen haben, waren es 2007 noch 43.4% und 2010 40.9%. Zwar wiesen junge Männer in allen Erhebungen eine deutlich höhere Lebenszeitprävalenz des Cannabisgebrauchs auf als junge Frauen, jedoch ist der Rückgang in den Anteilen bei den Männern etwas grösser (2004: 52.3%, 2007: 48.8%, 2010: 46.4%) als bei den Frauen (2004: 39.7%, 2007: 38.1%, 2010: 35.4%; Tabelle).

Hinsichtlich der Altersgruppen findet sich bei den 25- bis 29-Jährigen zwischen 2004 und 2007 eine Zunahme, zwischen 2007 und 2010 aber eine Abnahme des Lebenszeitgebrauchs (aktueller Gebrauch plus Gebrauch in der Vergangenheit). In den jüngeren Altersgruppen nahm der Anteil derer mit Cannabiserfahrung zwischen 2004 und 2010 ab (Tabelle). Dabei war 2010 der Anteil an Personen mit Cannabiserfahrung in der italienischsprachigen Regionen (30.0%) deutlich geringer als in der französisch- (44.9%) und der deutschsprachigen (40.2%) Schweiz. In allen drei Sprachregionen sind die Anteile Cannabiserfahrener zwischen 2004 und 2010 zurückgegangen (Tabelle).

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