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Alkohol

Überblick

Gesamtausmass des Alkoholkonsums in der Schweiz in den letzten 20 Jahren rückgängig

Alkohol ist ein traditioneller, fest verankerter Bestandteil der hiesigen Kultur. Gemäss Bevölkerungsbefragungen trinken neun von zehn Personen ab 15 Jahren zumindest gelegentlich Alkohol (87.8%), etwa eine von zehn Personen trinkt täglich Alkohol (10.7%). Die Anteile gelegentlichen und täglichen Alkoholkonsums haben sich seit 2011 kaum verändert.

Hingegen zeigt sich bei dem über Verkaufsdaten ermittelten Pro-Kopf-Konsum in den letzten 20 Jahren eine ziemlich stetige Abnahme. Dieser betrug 1992 10.1 Liter und ging bis 2015 auf 8.1 Liter zurück. In den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Österreich ist der Pro-Kopf-Konsum vergleichbar wie in der Schweiz (rund 10 bis 12 Liter), nur in Italien liegt er deutlich tiefer (6.5 Liter). Während der Pro-Kopf-Konsum in Italien eher abgenommen hat, ist er in den anderen Ländern vergleichsweise stabil geblieben.

Täglicher Konsum nimmt mit dem Alter zu und ist unter Männern stärker verbreitet

Bei näherer Betrachtung der Verteilung des täglichen Konsums fällt nicht nur der Unterschied zwischen den Geschlechtern auf - der Anteil Männer (15.1%) ist etwa doppelt so hoch wie derjenige der Frauen (6.5%) -, sondern auch eine deutliche Zunahme mit dem Alter, von 0.5% bei den 15- bis 19-Jährigen auf 27.0% bei Personen ab 75 Jahren. Bereits bei 11-Jährigen kommt wöchentlicher Konsum von Alkohol vereinzelt vor (Mädchen 0.2%, Jungen 1.5%). Die Anteile steigen bis zu einem Alter von 15 Jahren deutlich an, haben aber zwischen 2002 und 2014 sowohl bei den Mädchen (von 22.0% auf 5.7%) als auch bei den Jungen abgenommen (von 32.7% auf 9.8%). Täglicher Konsum ist in der italienischsprachigen Schweiz (2015: 21.5%) stärker verbreitet als in der deutsch- (9.0%) und französischsprachigen Schweiz (14.1%), jedoch liegen auch die Abstinenzraten hoch (17.3% resp. 12.4% deutsch- und 17.7% französischsprachige Schweiz).

Gut jede fünfte Person trinkt zu viel oder zu oft Alkohol

Der Grossteil der Schweizer Bevölkerung weist zwar einen unproblematischen Alkoholkonsum auf, doch es gibt Menschen, die zu viel, zu häufig oder in ungeeigneten Situationen trinken. So kann gemäss Schätzungen davon ausgegangen werden, dass etwa 250'000 Personen in der Schweiz alkoholabhängig sind.

Gemäss Bevölkerungsbefragungen geben 21.5% der Schweizer Wohnbevölkerung ab 15 Jahren einen risikoreichen Alkoholkonsum an (chronischer und episodisch risikoreicher Konsum, d.h. Rauschtrinken, zusammen genommen). Generell zeigt sich ein verstärktes Rauschtrinken in jungen Jahren und ein zunehmend chronischer Risikokonsum (mit und ohne Rauschtrinken) mit ansteigendem Alter. Der Anteil 15-Jähriger mit Rauschtrinken hat zwischen 2010 und 2014 sowohl bei den Mädchen (von 21.3% auf 12.8%) als auch bei den Jungen (von 27.6% auf 16.1%) abgenommen.

Beträchtliche Problemlast von Alkoholkonsum

Die Problemlast infolge von Alkoholkonsum ist beträchtlich. So ist die Behandlungsnachfrage bei spezialisierten Einrichtungen wegen eines Hauptproblems mit Alkohol beachtlich und übersteigt die Nachfrage im Zusammenhang mit illegalen Drogen deutlich. Stationäre Hospitalisierungen für Alkoholintoxikation haben zwischen 2003 und 2012 zugenommen, sie nahmen aber für Alkoholabhängigkeit stetig ab. Darüber hinaus sind im Jahr 2011 etwa 1'600 Personen an den Folgen ihres Alkoholkonsums verstorben. Dies entspricht 1 von 10 vorzeitigen Todesfällen bei Männern und 1 von 17 bei Frauen. Verletzungen und Unfälle, Krebse und Leberzirrhose verursachen die Mehrzahl der alkoholbedingten Todesfälle. Eine positive Entwicklung kann jedoch verzeichnet werden: Im Vergleich zu den 80er Jahren ist die Zahl der bei Verkehrsunfällen mit angenommener Alkoholbeteiligung Getöteten, Schwerverletzten und Leichtverletzten gesunken.

Alkoholkonsum ist nicht zuletzt wegen seiner weiten Verbreitung in der Bevölkerung auch mit erheblichen sozialen Kosten verbunden. Die geschätzten direkten und indirekten sozialen Kosten des Alkoholkonsums belaufen sich in der Schweiz für das Jahr 2010 auf rund 4.2 Milliarden Franken.

QuellenContinuous Rolling Survey on Addictive Behaviours and Related Risks (CoRolAR) (2011-2015) und Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) (1992, 1997, 2002, 2007, 2012) für die Schweizerische Gesamtbevölkerung; Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) (1994, 1998, 2002, 2006, 2010, 2014) für Jugendliche; Kuendig (2010) für die Schätzung der Abhängigkeit und Marmet et al., 2013 für die Schätzung der Mortalität; Monitoringsystem act-info (2006-2014); Global Information System on Alcohol and Health (GISAH) für die umliegenden Ländern; Verkaufsdaten der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV); Fischer et al., 2014 für die sozialen Kosten.
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