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Halluzinogene

Überblick

Gegenwärtige Situation

Unter Halluzinogenen werden verschiedene psychoaktive Substanzen wie LSD und halluzinogene Pilze zusammengefasst, deren hauptsächliche Wirkung in einer Veränderung der Wahrnehmung und veränderter Bewusstseinszustände besteht.

Gebrauch von Halluzinogenen in der Schweizer Wohnbevölkerung
Die Resultate der für die Bevölkerung ab 15 Jahren repräsentativen CoRolAR-Befragung (2014) zeigen, dass etwa eine von dreissig befragten Personen Erfahrungen mit dem Gebrauch halluzinogener Pilze berichtet (3.7%). Der höchste Anteil der Gebrauchenden findet sich in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen (8.5%). Diese Erfahrungen scheinen eher episodisch und länger zurückliegend zu sein, da so gut wie niemand einen Gebrauch in den letzten 30 Tagen vor der Befragung angibt und nur ein sehr geringer Anteil einen Gebrauch in den davorliegenden 12 Monaten (0.2%). Insgesamt haben laut den Ergebnissen mehr Männer als Frauen in ihrem Leben halluzinogene Pilze genommen (5.2% resp. 2.0%) ebenso wie die Deutschschweizer (4.0%) im Vergleich mit den Bewohnern anderer Sprachregionen (Romandie: 0.3%, italienischsprachige Schweiz: 1.8%). Betreffend die Jugendlichen weist die HBSC-Befragung 2014 darauf hin, dass etwa 1% der 15-jährigen Jungen und Mädchen in ihrem Leben LSD oder halluzinogene Pilze genommen haben. Allgemein gesehen kann eine Unterschätzung der Prävalenzen in den verschiedenen Befragungen jedoch nicht ausgeschlossen werden, da gesellschaftlich sanktionierte Aktivitäten im Rahmen von Befragungen leicht verschwiegen werden können. 

Daten zur mindestens einmaligen Einnahme von LSD im Leben wurden in der CoRolAR-Befragung 2014 bisher nicht erhoben, es wurde nur nach dem Gebrauch in den letzten 12 Monaten gefragt.  Die 12-Monatsprävalenz von 0.4% für den Gebrauch von LSD scheint leicht höher zu sein als diejenige für den Gebrauch halluzinogener Pilze (0.2%). Dieser Anteil entspricht hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung etwas weniger als 28'000 Personen in der Schweiz. Männer geben häufiger eine Einnahme von LSD an (0.7%, Frauen 0.1%).

Schwelle des Problemgebrauchs
Ein Schwelle für problematischen Gebrauch von Halluzinogenen kann aufgrund variabler und unzuverlässiger Effekte, die abhängig sind von der eingenommenen Menge, den Eigenschaften einer spezifischen Substanz, individueller Unterschiede und dem Zeitpunkt der Einnahme, kaum festgelegt werden (NIDA, 2009). Toleranz ist bei chronischem Gebrauch jedoch dokumentiert (Barceloux, 2012). Betrachtet man die im Rahmen der CoRolAR-Befragung (2014) erhobenen Daten zum Gebrauch halluzinogener Pilze, so fällt auf, dass niemand eine regelmässige Einnahme an zehn oder mehr Tagen im Monat vor der Befragung angibt.

Entwicklung und Tendenzen

Trendaussagen zum Ausmass der Einnahme von Halluzinogenen in der Gesamtbevölkerung sind aufgrund fehlender Daten nicht möglich. 

Entwicklung der Verzeigungen wegen Verstössen gegen das BetmG
Die im Rahmen der Schweizerischen Betäubungsmittelstatistik erhobene Zahl der Verstösse wegen des Gebrauchs von LSD bewegt sich seit Beginn der 90er Jahre zwischen 100 und 250 Verzeigungen pro Jahr, ausser einer deutliche Zunahme Mitte der 90er Jahre (über 600 Verzeigungen im Jahr 1996). Seit 2002 nimmt die Anzahl der Verzeigungen erneut tendenziell zu und überschreitet seit 2013 jährlich 300 Fälle (2015: 304 Fälle). Die Anzahl der Verzeigungen aufgrund des Gebrauchs von Psilocybin liegt unter derjenigen für LSD, hat aber über die Jahre zugenommen (2004: 32, 2015: 199). Allerdings muss berücksichtig werden, dass sowohl marktbezogene (z.B. Handelsvolumen) als auch strukturelle Faktoren (z.B. Änderungen bezüglich Kontrollen) die jährliche Anzahl der Verzeigungen beeinflussen.

Vergleiche mit Nachbarländern
Die Datenlage zur Einnahme von Halluzinogenen ist auch im europäischen Raum spärlich. Die vorhandenen Daten deuten darauf hin, dass die Einnahme halluzinogener Substanzen (halluzinogener Pilze oder LSD) auf tiefem Niveau stabil ist (EBDD, 20114). Gemäss den letzten zur Verfügung stehenden Daten lag die 12-Monatsprävalenz in der Allgemeinbevölkerung der Nachbarländer der Schweiz unter 1%. Die Schweiz ist im Mittel der umliegenden Länder situiert.

Indikatoren der Problemlast

Spezialisierter Behandlungsbereich
Indikatoren der Problemlast lassen darauf schliessen, dass der problematische Gebrauch von Halluzinogenen, wie bereits bei den Prävalenzraten angedeutet, eher eine Randerscheinung ist. So sind im Monitoringsystem act-info zwischen 2006 und 2014 nur sehr wenige Behandlungseintritte wegen eines Hauptproblems mit dem Gebrauch von Halluzinogenen dokumentiert (weniger als 1% aller genannten Hauptprobleme). Allerdings stellt der Gebrauch etwas häufiger ein sekundäres, beispielsweise mit dem Gebrauch von Cannabis, Opioiden oder Kokain einhergehendes Problem dar.

Hospitalisierungen
Die geringe Morbidität, die man im Rahmen der Medizinischen Statistik der Krankenhäuser beobachten kann und das Fehlen von Todesfällen im Zusammenhang mit der Einnahme von Halluzinogenen lässt ebenfalls auf ein geringes Ausmass an problematischem Halluzinogengebrauch in der Schweiz schliessen.

Soziale Kosten
Zu den sozialen Kosten der Einnahme von Halluzinogenen liegen keine Schätzungen vor. Eine in der Schweiz durchgeführte Studie schätzte die sozialen Kosten des Konsums aller illegaler Substanzen, ohne jedoch spezifisch auf Halluzinogene einzugehen (Jeanrenaud et al., 2005).

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